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Pro und Contra zum Wunschkaiserschnitt


Es gibt eine ganze Reihe von Grün­den für einen Wunsch­kai­ser­schnitt und min­des­tens eben­so viele Grün­de da­ge­gen. Wir tref­fen zwei Ber­li­ner Müt­ter, die uns die Er­fah­run­gen mit ihrem ter­mi­nier­ten Kai­ser­schnitt schil­dern. Beide hat­ten be­reits ein Kind und haben sich bei der zwei­ten Ge­burt für einen Kai­ser­schnitt ent­schie­den. Ni­co­le war zu die­sem Zeit­punkt 26 Jahre alt, Ilka 40. Wir möch­ten wis­sen:

Warum habt Ihr Euch be­wusst für einen Kai­ser­schnitt ent­schie­den?

Ni­co­le: Die Ge­burt mei­nes ers­ten Kin­des war un­ge­plant. Das Baby war über den Ter­min und die Ge­burt wurde mit Ta­blet­ten ein­ge­lei­tet. Die ein­set­zen­den Wehen kamen mir un­glaub­lich stark vor und ich fühl­te mich mit mei­nen Schmer­zen al­lein ge­las­sen. Ich bin aber ge­ne­rell auch ein schmerz­emp­find­li­cher Mensch. Nach dem Bla­sen­sprung am Abend habe ich es dann nicht mehr aus­ge­hal­ten und um einen Kai­ser­schnitt ge­be­ten. Ich habe mich so hilf­los ge­fühlt und auch wirk­lich schlecht be­treut durch die Kran­ken­schwes­tern, das soll­te mir bei mei­ner zwei­ten Ge­burt nicht wie­der pas­sie­ren.

Ilka: Mein ers­tes Kind kam eben­falls un­ge­plant auf die Welt, aber ganz na­tür­lich. Als ich das zwei­te Mal schwan­ger wurde, war ich kurz vor mei­nem 40. Ge­burts­tag. Ich hatte ir­gend­wie ein gro­ßes Si­cher­heits­be­dürf­nis, Angst vor den Kom­pli­ka­tio­nen bei einer Ge­burt und ich hatte auch ein biss­chen das Ver­trau­en in mei­nen Kör­per ver­lo­ren. Die letz­te Ge­burt lag im­mer­hin 17 Jahre zu­rück. Ich war dann bei einem Info-Abend über Kai­ser­schnit­te im Kran­ken­haus und dort wurde uns Teil­neh­me­rin­nen der Kai­ser­schnitt als sehr un­kom­pli­ziert und sehr si­cher sug­ge­riert. So­wohl für die Mut­ter als auch für das Kind.

Für wel­che Schwan­ger­schafts­wo­che wurde der Ter­min für den Kai­ser­schnitt fest­ge­legt?

Ni­co­le: Auf eine Woche vor dem Ge­burts­ter­min, glau­be ich. Er wurde dann aber noch ein­mal um zwei Tage vor­ver­legt, da ich sehr star­ke Schmer­zen im Scham­bein hatte.

Ilka: Bei mir lag der Ter­min in der 38. Schwan­ger­schafts­wo­che. Ich bin muss­te einen Tag vor­her ins Kran­ken­haus und das Baby wurde noch ein­mal un­ter­sucht und ver­mes­sen.

Habt Ihr Euch für eine Voll­nar­ko­se oder eine Spi­nal­an­äs­the­sie, also – sa­lopp for­mu­liert – die Be­täu­bung des Un­ter­leibs ent­schie­den?

Ni­co­le: Ich hatte eine Spi­nal­an­äs­the­sie.

Ilka: Voll­nar­ko­se. Das volle „Wunsch­kai­ser­schnitt-Pro­gramm“ so­zu­sa­gen.

Wie habt Ihr Euren Kai­ser­schnitt er­lebt?

Ni­co­le: Schnell und un­kom­pli­ziert. Als ich ge­näht wurde, ist mein Mann mit dem Baby raus ge­gan­gen und nach einer hal­ben Stun­de durf­te ich meine Toch­ter zum ers­ten Mal im Arm hal­ten. Das war toll. Ich war so­fort voll und ganz Mama. Ich hatte auch hin­ter­her keine Pro­ble­me. Die Wund­hei­lung war zwar schmerz­haft, aber aus­zu­hal­ten. Selbst für mich. Ich ließ mich schon nach zwei Tagen auf ei­ge­ne Ver­ant­wor­tung ent­las­sen, weil meine Mut­ter Ur­laub hatte und mich zu Hause um­sorgt hat.

Ilka: Vom Kai­ser­schnitt selbst habe ich auf­grund der Voll­nar­ko­se nichts mit­be­kom­men, auch das Auf­wa­chen auf der In­ten­siv­sta­ti­on war noch in Ord­nung. Nach vier Stun­den wurde ich auf die nor­ma­le Sta­ti­on ver­legt, glau­be ich. Mein Part­ner war in der Zwi­schen­zeit bei un­se­rem Sohn und hat ihn mir ge­bracht. Zu­erst war alles schön, aber dann setz­te ein hef­ti­ger Wund­schmerz ein. Ich muss­te wei­te­re10 Tage im Kran­ken­haus blei­ben, konn­te kaum sit­zen, ste­hen oder lie­gen. Auch der Ka­the­der konn­te mir erst spä­ter ent­fernt wer­den als nor­mal und auf­grund eines hohen Blut­ver­lusts war eine Ei­sen­trans­fu­si­on not­wen­dig. Ich war total ge­schwächt, hatte mit einer Wo­chen­bett­de­pres­si­on zu kämp­fen und litt unter mei­ner nicht vor­han­den­den „Mo­bi­li­tät“.

Wie ging es Euren Kin­dern nach dem Kai­ser­schnitt?

Ni­co­le: Jes­si­ca ging es bes­tens, wir hat­ten keine Pro­ble­me.

Ilka: Tim hatte stark mit der Neu­ge­bo­re­nen­gelb­sucht zu kämp­fen und muss­te eine 10-tä­gi­ge Licht­the­ra­pie über sich er­ge­hen las­sen. Aber sonst war er ge­sund.

Und wie ver­lie­fen das Bon­ding und das Stil­len? Bei Dir wahr­schein­lich eben­falls un­kom­pli­ziert, oder Ni­co­le?

Ni­co­le: Ja stimmt. Wir sind es ganz ge­müt­lich an­ge­gan­gen.

Ilka: Mit dem Bon­ding hat­ten wir ei­gent­lich auch keine Pro­ble­me. Das Stil­len hat so­weit ge­klappt, aber Tim war stre­cken­wei­se viel zu schwach zum Trin­ken. Ob das nun an der Neu­ge­bo­re­nen­gelb­sucht oder am Kai­ser­schnitt lag, kann ich gar nicht sagen.

Jes­si­ca ist jetzt 2 Jahre alt, Tim 5. Wür­det Ihr sagen, dass Eure Kin­der heute Nach­tei­le durch die Kai­ser­schnitt­ge­burt haben?

Ni­co­le: Man hört ja manch­mal, dass Kai­ser­schnitt-Kin­der öfter Neu­ro­der­mi­tis oder All­er­gi­en haben. Jes­si­ca hat eine leich­te Neu­ro­der­mi­tis, aber mein Mann ei­gent­lich auch. So ge­se­hen, würde ich die Frage mit Nein be­ant­wor­ten.

Ilka: Haut­pro­ble­me hat Tim nicht. Ich hatte im Nach­hin­ein eher Be­den­ken in Bezug auf die kind­li­che Ent­wick­lung, da ich spä­ter ge­le­sen habe, dass Babys die Er­fah­rung des Drän­gens durch den engen Ge­burts­ka­nal un­be­dingt ma­chen soll­ten. Sie spü­ren ihren Kör­per da wohl bes­ser. Aber wir haben Tim gut ge­för­dert, er war be­reits mit 1,5 Jah­ren in einer Mu­sik­schu­le für Klein­kin­der und ist jetzt zu­sätz­lich beim Kin­der­sport.

Ni­co­le: Wegen dem Spü­ren des Kör­pers – Jes­si­ca hatte schon mal eine Phase, wo sie sehr un­vor­sich­tig war und sich stän­dig weh getan hat. Aber das ist jetzt vor­bei.

Wie seht Ihr Eure Ent­schei­dung für einen Wunsch­kai­ser­schnitt heute? Wür­det Ihr beim drit­ten Kind ge­nau­so han­deln?

Ni­co­le: Also un­se­re Fa­mi­li­en­pla­nung ist ab­ge­schlos­sen, das muss ich gleich dazu sagen. Ge­ne­rell würde ich mich aber wie­der für einen Kai­ser­schnitt ent­schei­den.

Ilka: Un­se­re Fa­mi­li­en­pla­nung ist na­tür­lich auch ab­ge­schlos­sen, nun bin ich ja schon 45. Aber nach­dem ich beide Arten, eine na­tür­li­che Ge­burt und einen Kai­ser­schnitt er­lebt habe, würde ich mich immer gegen einen Kai­ser­schnitt ent­schei­den. So­wohl für mich selbst als auch für mein Kind. Die Narbe der Ope­ra­ti­on er­in­nert mich wie ein Stör­fak­tor täg­lich an die zwei Wo­chen, die ich ge­braucht habe, um mich nach dem Kai­ser­schnitt wie­der an­nä­hernd wie ein Mensch zu füh­len. Und sie juckt auch manch­mal noch oder tut weh.

Das Team von schwan­ge­rin­mei­ner­stadt.de be­dankt sich ganz herz­lich für das Ge­spräch, für Eure Zeit und Eure Of­fen­heit.

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